TRANSgender DAY OF REMEMBRANCE

Am 20. November wird jährlich der Transgender Day of Remembrance (TDOR) zum Gedenken an die Opfer trans*phober Gewalt begangen.

Matt (19) aus Schaffhausen

Seine Mutter ignoriert seine Geschlechtsidentität noch immer

Matt war 15, als er begann online zu recherchieren, was mit ihm los sein könnte. «Ich dachte, was ich da fühle, das kann doch irgendwie nicht normal sein.» Und als er dann auf die Infos über Trans-Menschen stiess, ging ihm ein Licht auf. «Ich wusste sofort, klar, das ist es, was ich bin!»

Er erzählte es zuerst ein paar engen Freunden. «Die haben alle locker und positiv reagiert. Einige fanden, sie hätten es schon geahnt, von meinem Verhalten her.» Derart ermutigt wagte er es mit 17, auch seine Eltern zu informieren. Diese lebten zu dem Zeitpunkt schon getrennt, so dass er es zuerst seiner Mutter erzählte. «Sie wollte es mir ausreden. Das sei doch nur eine Phase, ich brauche das doch gar nicht, als Frau hätte ich viel mehr Vorteile. Sie wollte und konnte es nicht verstehen.»

Daran hat sich bis heute nichts geändert. Sie verbot es Matt sogar, seinen kleinen Bruder (12) zu informieren. Aber sie erzählte es seinem Vater weiter, der wiederum relativ verständnisvoll reagierte. «Das Verhältnis zu meinem Vater war aber schon immer enger als zu meiner Mutter», sagt Matt. Das hat sich in den letzten zwei Jahren nun noch verstärkt. Vor etwa einem Jahr, kurz nach dem er eine Lehre als Velomechaniker begonnen hatte, zog Matt dann zu Hause aus und lebt nun allein, was eine grosse Erleichterung ist. «Meine Mutter hat mein Coming-out einfach ignoriert und nannte mich konsequent weiter bei meinem weiblichen Geburtsnamen. Es war nicht möglich, mit ihr über dieses Thema überhaupt zu sprechen.»

Es half auch nicht, dass Matts Psychotherapeutin ein Gespräch mit den Eltern führte – seine Mutter blieb hart. Weshalb das so ist, weiss Matt bis heute nicht. Obwohl er sich wünschen würde, dass sich ihre Haltung ändert, hat er wenig Hoffnung. «Ich sehe sie nun halt nur sehr selten, ihr Einfluss auf mein Leben ist gering.»

Ansonsten jedoch hat Matt bisher keine negativen Reaktionen erlebt. Allerdings wissen auch noch nicht so viele Leute Bescheid; bei der Arbeit zum Beispiel hat er nichts gesagt, sie halten ihn dort noch immer für eine Frau. Er will auch bis zum Ende der Lehre warten, bis er mit den Hormonen zur Geschlechtsanpassung beginnt. Später soll es auch eine Operation geben. «Die Anpassung soll so weit wie möglich gehen.»